Salutogenese

Aaron Antonovsky ist ein Sozialwissenschaftler, der das Konzept der Salutogenese begründete. Er untersuchte, wie es Frauen in Israel in der Menopause gesundheitlich geht und fasste seine Beobachtungen zusammen.

In seinem Fragebogen nahm er auch die Frage auf, ob diese Frauen im KZ gewesen seien. Was ihn erstaunte, war, dass ca. ein Drittel dieser Frauen gesundheitlich gut mit der Menopause zurechtkam, trotz ihrer Erfahrungen im KZ, mit der Umsiedlung in ein neues Land, einer neuen Sprache und einer neuen Arbeit. Aus dem Versuch heraus diese Beobachtung zu erklären entstand das Konzept der Salutogenese.

Kohärenzsinn
Seine wichtigsten Annahmen können als Kohärenzsinn (Sence of Coherence SOC) zusammengefasst werden. Die untersuchten Frauen wiesen folgende Eigenschaften auf:

1. Sie fühlten sich nicht nur als passive Opfer von unerklärlichen gesellschaftlichen Ereignissen, sondern konnten das, was mit Ihnen passierte auf irgendeine Art einordnen. > Verstehbarkeit

2. Sie hatten die Erfahrung gemacht, dass wenn sie sich für etwas einsetzen, sie ihre Situation wenn auch nur minimal beeinflussen können. > Handhabbarkeit

3. Sie konnten einen Sinn für ihr Leben und Weiterleben finden, z.B. für andere Menschen da zu sein, für Kinder, für eine bessere Welt usw. > Bedeutsamkeit

Antonovskys Gesundheitsvorstellung konkretisierte sich und er fasste die drei o.g. Eigenschaften zum Kohärenzsinn (SOC) zusammen als Etwas, das unsere Widerstandskraft gegen Belastungen stärkt: Resilienz.

Modelle von Krankheit und Gesundheit
Alexa Franke, die Aaron Antonovskys Buch „Unraverling the Mystery of Health –How Poeple Manage Stress and Stay well“ ins Deutsche übersetzt hat, bearbeitete dieses Konzept weiter und kam zu der Entdeckungen, die sie in „Modelle von Krankheit und Gesundheit“ vorstellte.

Das alte traditionelle Gesundheitsmodell ist eine Ja-Nein Entscheidung und orientiert sich an der Frage, ob ein Mensch arbeitsfähig ist oder nicht. Hier ist man nur krank oder nur gesund.

Antonovsky nahm den Fluss als Bild für Gesundheit. Im alten Modell sind wir gesund und schreiten neben dem Fluss her. Ab und zu fallen wir in den Fluss und müssen von Spezialisten daraus gerettet werden.

Für Antonovsky schwimmen wir immer im Fluss. Mal sind wir entspannt und fühlen uns wohl, mal schwimmen wir angestrengt in Stromschnellen. Wenn wir zu erschöpft sind, brauchen wir Hilfe von Spezialisten. Wir hören aber nie auf zu schwimmen. Antonovskys Gesundheitsvorstellung beinhaltet auch den Tod. Selbst wenn wir sterben sind wir immer noch etwas gesund. Wir bewegen uns auf einem Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit.

Der Dialog Arzt/Therapeut Patient
Dr. Alexa Franke erweiterte Antonovskys Vorstellung von Gesundheit als Kontinuum, in dem sie ein zweidimensionales Feld öffnete. Es gibt nicht mehr allein den Befund: Wir entsprechen - oder auch nicht - den für Gesundheit definierten Normwerten. Sie bringt das individuelle Befinden als zweite Dimension ein.

Franke schlägt damit eine Brücke zwischen einer allein am Körper orientierten Medizin, die Gefühle und das Befinden ausblendet und einer körperlosen Seelenkunde. Damit rückt der Dialog zwischen Arzt und Patient stärker in den Fokus der Therapie.



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